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Mut zur Lücke

Trailer Assistent unterstützt automatisches Rückwärtsrangieren

Erschienen in ReiterRevue International

Pferdeanhänger wie von Geisterhand vollautomatisch rückwärts einparken? Um die Kurve? Das geht nicht? Doch, oder wenigstens fast. Der intelligente Helfer heißt „Trailer Assist“ und wurde von Volkswagen für echte Zugpferde entwickelt.

Mit Pferdeanhänger rückwärtszufahren und einzuparken kann – wie viele aus leidvoller Erfahrung wissen – eine heikle Angelegenheit sein. Wer sich nicht die Zeit nimmt oder die Gelegenheit hat, das Manöver auf sicherem Terrain zu üben, dem kann es schon die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Vor allem, wenn es schnell gehen muss, in der Hektik des oft frühmorgendlichen Turniergeschehens. Oder wenn man sich verfahren hat und irgendwo auf einer engen Straße wenden muss.

Was lag daher für clevere Automobilingenieure näher, als ein Assistenzsystem zu entwickeln, das dem Anhängerfahrer diese Aufgabe, wenn schon nicht vollends abnimmt, so doch entscheidend erleichtert? Vor allem, da es ja in modernen Fahrzeugen bereits jede Menge kleine Helfer rund ums Parken gibt, die uns vor unbeabsichtigtem Rumpeln hinten, vorne und teilweise sogar an den Seiten mit lautem Piepen warnen und durch die Rückfahrkamera den Blick über das Heck hinaus liefern. Investiert man noch etwas mehr in den täglichen Fahrkomfort, übernimmt das Fahrzeug sogar das komplette Einparken in enge Lücken. Warum also das alles nicht auch mit Anhänger?

Alle diese intelligenten Assistenten zusammen genommen, ergänzt durch den Einsatz der Servolenkung, intelligent vernetzt und am Bordcomputer-Display optisch dargestellt, ergeben den „Trailer Assist“, der seit zwei Jahren in einigen Volkswagen-Modellen verfügbar ist. Skoda wird das ab 2017 lieferbare große SUV Kodiak damit ausstatten und Audi – ebenfalls zum VW-Konzern gehörend - hat in Kooperation mit dem KFZ-Zubehörhersteller Westfalia (nicht zu verwechseln mit dem Pferdeanhänger!) für den Q 7 ein ähnliches System entwickelt. Bei der Jaguar-Landrover-Gruppe wird daran gearbeitet und es soll nächstes Jahr verfügbar sein.

Per Joystick lenken

Zugegeben, anfangs waren wohl alle „Testpiloten“ etwas skeptisch, als sie auf dem Paradeplatz des Celler Landgestütes eines der VW Passat-, Tiguan- oder Touareg-Modelle in Empfang nahmen, jeweils noch solo vor dem Anhänger stehend. In den Fahrübungen sollten wir zunächst rund 25 Meter gerade zurück und dann um eine 90°-Kurve fahren.

Das Ankuppeln war mit Hilfe des perfekten Rückfahrkamerabildes ein Kinderspiel: Millimetergenau heranfahren, Stecker rein, Sicherungsbremsseil über die Kupplung und nach einer kurzen Erklärung, wo und wann im Wagen welche Knöpfe zu drücken oder zu drehen sind, konnte es losgehen.

Um das Gespann automatisiert rückwärts zu rangieren, muss ich das System durch Einlegen des Rückwärtsganges und die Park Assist-Taste aktivieren. Im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser erscheint der Spiegeleinstellschalter, der nun als Joystick fungiert. Sobald ich den Drehschalter bewege, zeigt mir das Display den aktuellen Anhänger und den von mir neu eingestellten Winkel des Trailers. Die Daten zu dieser Startwinkelberechnung liefert die Rückfahrkamera, die den Deichselwinkel erfasst. Zudem erkennt das System auch die Deichsellänge, die Einfluss auf den maximal einstellbaren Knickwinkel hat. Die Daten werden an das Steuergerät des Park Assist übertragen.

Der Trailer Assist übernimmt nun den Lenkwinkel und die elektromechanische Servolenkung richtet das Gespann automatisch aus – ich kann die Hände sogar vom Lenkrad nehmen. Da ich im Testwagen mit Automatikgetriebe sitze, reicht es aus, den Fuß von der Bremse zu nehmen. In der ersten Rangierphase wähle ich den Knickwinkel, um gezielt rückwärts in eine bestimmte Richtung abzubiegen oder eine Kurve zu fahren. Steht der Anhänger dann in Richtung des Ziels, muss ich den Joystick nur leicht nach hinten ziehen. Nun fährt das Gespann exakt rückwärts in Anhängerrichtung, ohne manuell noch einmal korrigiert werden zu müssen.

Auch Janne Friederike Meyer, ReiterRevue-Lesern seit vielen Jahren als international erfolgreiche Springreiterin bekannt, war nach ihrer Restfahrt im VW Tiguan von dem entspannten Anhängerrangieren überzeugt: „Dass es so einfach funktioniert, ist wirklich beeindruckend. Vor allem das Rückwärtsgeradeausfahren ohne jeden manuellen Eingriff hat mich fasziniert. Das hilft besonders dann, wenn man aus Versehen eine falsche Einfahrt erwischt hat und durch schmale Tore wieder zurück muss. Oft verkantet sich der Anhänger beim Rückwärtsfahren. Mit dem Trailer Assist kann man die Richtung einfach einstellen und den Rest dem Auto überlassen. Will man rückwärts um die Ecke, muss man natürlich den Winkel einschätzen, kann aber auch ganz leicht korrigieren: Soll der Anhänger nach links, dreht man den Knopf ebenfalls nach links. Super einfach und entspannend“, so Janne.

Auch wer gelegentlich verschiedene Pferdeanhänger fährt, braucht sich nun nicht mehr auf die unterschiedlichen Reaktionen langer oder kurzer Deichseln einzustellen: Das System erkennt in Sekundenschnelle, wie der Anhänger zum Fahrzeug steht und wie er gradgenau rückwärts zu lenken ist, um in die angestrebte Lücke zu kommen.

Natürlich hat der Komfort seinen Preis und ist nur als Zusatzausstattung zu haben, die das gesamte Parkassistenten-Paket inklusive Rückfahrkamera umfasst. Allerdings entspannt diese Investition nicht nur das Anhängerrangieren, sondern auch das tägliche Parken. Modellabhängig kostet das Parkvergnügen zwischen 630 und 935 Euro.

Doris Jessen

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